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  Die ersten Reisen

Februar - März 1995
Begonnen hat alles im Rio Dulce in Guatemala. Dort lag "Mi Columpio" - und demnach begannen wir unsere ersten Segelversuche in einem der schönsten Segelreviere der Welt: in der Karibik zwischen den unzähligen Korallenatollen und Barriereriffen von Belize. Aus diesem simplen Grund finden wir es bis heute viel einfacher, die Einfahrt in ein Korallenatoll zu meistern als die Einfahrt in einen Hafen zu finden (Wer kennt sich schon mit all den Tonnen und Baken aus?).
Nach zwei Monaten auf "Mi Columpio", in denen wir ausschließlich nach "try und error" lernten, stand für uns fest: Im nächsten Jahr segeln wir in die Südsee!


Februar - November 1996
1995 nahmen wir das Sommersemester Auszeit und segelten unter dem Motto "Probieren geht über Studieren" einfach los: Von Belize nach Honduras auf die Islas Bahias, weiter nach Panama zu den San Blas-Inseln und von dort durch den Panama-Kanal auf die Islas Las Perlas.
Erst auf der zehntägigen Überfahrt zu den Galapagos-Inseln probierten wir unsere Windsteueranlage aus, vorher hatten wir wegen diverser anderer Vorbereitungen und Reparaturen keine Zeit gehabt. Sie funktionierte halbwegs, so daß wir auch die weiteste Segelstrecke zu den Marquesas in langen, langen 27 windarmen Tagen schafften.
Manihi und Toau in den Tuamotus und Tahiti, Moorea, Huahine, Raiatea und Bora-Bora in den Gesellschaftsinseln waren unsere weiteren Stops. Weiter verbrachten wir traumhafte Tage auf Suvarov (Cook Islands), bevor wir von einem Sturm in Westsamoa angespült wurden, in dem gerade das South Pacific Art-Festival stattfand.
Beim Verlassen von Samoa gab leider unsere elektrische Steuerung ihren Geist auf - die Windsteueranlage war bereits hinter Bora-Bora abgebrochen und im Meer versunken.
So steuerten wir, von einem kurzen Ausschlafstop auf der Ile de Pine in Neu-Kaledonien abgesehen, die nächsten 18 Tage abwechselnd im Zwei-Stunden-Rhythmus per Hand.
Glücklicherweise haben auch unangenehme Erlebnisse irgendwann mal ein Ende - wir kamen nach über 9000 Seemeilen in knapp 9 Monaten wohlbehalten in Brisbane/ Australien an. "Mi Columpio" wurde in einer kleinen Marina aus dem Wasser geholt und wir flogen nach Hause, um in den nächsten 2 Jahren unser Studium zu beenden.


November 1998 - April 1999
Nach einem sechswöchigen Arbeitslager, in dem wir "Mi Columpio" reparierten, verschönerten und mit ein paar Sachen ausstatteten, die in Mittelamerika nicht zu bekommen gewesen waren, landete "Mi Columpio" als erstes auf einer Sandbank vor Moreton Island. Wir schliefen gerade in dieser Nacht in den Sanddünen, als das Ankertau sich in einer 10-Minuten-Bö durchscheuerte und wir "Mico" am nächsten Morgen fast am Strand fanden. Doch dank der hohen Tide und unseren Armmuskeln beim Winschen konnten wir sie alleine wieder zum Schwimmen bekommen und trödelten anschließend als gewiß langsamste ausländische Yacht die australische Ostküste entlang gen Norden, immer auf der Hut vor den zu der Zeit dort vorherrschenden Hurricanes. Unterwegs lasen und lernten wir viel über das, was auf unserer Welt falsch läuft, was verheimlicht, manipuliert, gelogen wird. Außerdem trafen wir interessante Individualisten, lebten für einige Wochen bei einer australischen Familie auf der ansonsten unbewohnten Insel Middle Percy und halfen diesen Selbstversorgern bei der Ernte- und Gartenarbeit mit.
Da uns ein wochenlang anhaltender 25 Knoten-Wind aus Norden daran hinderte, die Whitsunday Islands in die Richtung, in die wir eigentlich wollten, zu verlassen, holten wir "Mi Columpio" schließlich dort, auf Hamilton Island, erneut aus dem Wasser.



Die Reise zu "Willkommen im Paradies!"

Eigentlich bräuchten wir von dieser Reise hier gar nichts zu schreiben - steht doch alles im Buch...
Nun gut, ganz kurz:

November 1999 - April 2000
Von Townsville/ Australien segelten wir los gern Norden, raus aus der nahenden Hurricane-Saison. Nach 5 teilweise sehr stürmischen Tagen erreichten wir Bramble Haven in den Lousiaden/ Papua-Neuguinea. Und dann begann das, was wir uns nie zuvor erträumt hätten: Wir kamen auf einer Insel an, wurden erwartet, freundlich in Empfang genommen, eingeladen. Die Papuas entpuppten sich als überaus angenehme, herzliche, offene und intelligente Menschen. Wir fühlten uns in diesem ursprünglichen, ja fast noch wilden Land wie zu Hause. Und mußten zwei Monate später, als unsere Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen war, schweren Herzens die liebgewonnene Inselwelt wieder verlassen. Nördlich des Äquators liegt Mikronesien, dort erlebten wir auf unserer "Lieblingsinsel" Nukuoro ebenfalls unglaubliche Herzlichkeit. Weiter segelten wir über Chuuk (ganz furchtbar) und die traditionsbewußte Insel Ifalik, wo die Einheimischen noch wie vor 500 Jahren leben, über Yap nach Cebu in den Philippinen, wo wir in einer kleinen taifungeschützten Marina einen sicheren Platz für unser Schiff fanden.


Die letzten Reisen

November 2000 - April 2001
Unser ursprünglicher Plan war gewesen, durch die Philippinen hindurch über Borneo und Brunei nach Singapur zu segeln, und von dort vielleicht auf einer nächsten Reise in den Indischen Ozean hinein. Aber zum einen gefielen uns die Philippinen überhaupt nicht, zum anderen entdeckten wir nach knapp drei Monaten, daß ich schwanger war.
Kurzerhand beschlossen wir, nochmals in die Gegend zurückzufahren, wo es uns am Besten gefallen hatte: nach Papua-Neuguinea. Auf dem Weg dorthin attackierte uns ein philippinisches Schiff mit betrunkenen Fischern, die unser Boot versenken wollten. Doch dann erreichten wir ein anderes Paradies: das unbewohnte Korallenatoll Helen Reef in Palau. Schönheit, Einsamkeit und türkisfarbenes Wasser, so weit das Auge reichte.
Sieben Segeltage später wurden wir auf Wuvulu, Papua-Neuguinea unter Jubelstürmen der Kinder in Empfang genommen. Traumhafte Tage auf den Atollen Ninigo, Heina und Hermit folgten, bevor wir mit unserem letzten Tropfen Diesel unser Ziel, die Stadt Madang am Festland von Neuguinea, erreichten."Mi Columpio" ließen wir in einer winzigen Marina zurück, und flogen nach Hause, um im Sommer in Deutschland unser Kind zur Welt zu bringen.



Januar 2002 - April 2002
Tja, mit Baby an Bord ist alles anders. Till Oleg war gerade 5 Monate alt, als wir mit ihm um die halbe Welt flogen, um jetzt zu dritt an Bord von "Mi Columpio" zu segeln. Auf allen von uns angelaufenen Inseln war Oleg das Ereignis! Ob Sialum oder Kiriwina, ob Kitava oder Egom Atoll, von nun war niemand mehr an uns interessiert, alles drehte sich nur noch ums Baby. "Boy or girl?" oder "How old?" hörten wir fast stündlich. Auf Dobu wurden Willy und Derek, unsere Freunde von der früheren Reise, sofort als Onkel adoptiert. Beide begleiteten uns bis nach Alotau, der Provinzhauptstadt, und wir verbrachten 10 wunderschöne Tage mit ihnen an Bord.
Noch einmal mußten wir bei der Überquerung der Coral Sea ums Wetter zittern und bangen, noch einmal wurde unser Söhnchen seekrank. Doch wohlbehalten und überglücklich erreichten wir dann nach 5 Tagen Überfahrt am Karfreitag Cairns/ Australien.

Zwei Monate später haben wir "Mi Columpio" mit einem weinenden und einem lachenden Auge an ein junges australisches Pärchen, das die gleichen Träume hatte wie wir, verkauft.

 

 
         

Birgit Maschler & Björn de Vil, e-mail info@traumtaenzer-stelzentheater.de
         


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