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Begonnen hat alles im Rio Dulce in Guatemala. Dort lag "Mi Columpio"
- und demnach begannen wir unsere ersten Segelversuche in einem der schönsten
Segelreviere der Welt: in der Karibik zwischen den unzähligen Korallenatollen
und Barriereriffen von Belize. Aus diesem simplen Grund finden wir es
bis heute viel einfacher, die Einfahrt in ein Korallenatoll zu meistern
als die Einfahrt in einen Hafen zu finden (Wer kennt sich schon mit all
den Tonnen und Baken aus?).
Nach zwei Monaten auf "Mi Columpio", in denen wir ausschließlich
nach "try und error" lernten, stand für uns fest: Im nächsten
Jahr segeln wir in die Südsee!

1995 nahmen wir das Sommersemester Auszeit und segelten unter dem Motto
"Probieren geht über Studieren" einfach los: Von Belize
nach Honduras auf die Islas Bahias, weiter nach Panama zu den San Blas-Inseln
und von dort durch den Panama-Kanal auf die Islas Las Perlas.
Erst auf der zehntägigen Überfahrt zu den Galapagos-Inseln probierten
wir unsere Windsteueranlage aus, vorher hatten wir wegen diverser anderer
Vorbereitungen und Reparaturen keine Zeit gehabt. Sie funktionierte halbwegs,
so daß wir auch die weiteste Segelstrecke zu den Marquesas in langen,
langen 27 windarmen Tagen schafften.
Manihi und Toau in den Tuamotus und Tahiti, Moorea, Huahine, Raiatea und
Bora-Bora in den Gesellschaftsinseln waren unsere weiteren Stops. Weiter
verbrachten wir traumhafte Tage auf Suvarov (Cook Islands), bevor wir
von einem Sturm in Westsamoa angespült wurden, in dem gerade das
South Pacific Art-Festival stattfand.
Beim Verlassen von Samoa gab leider unsere elektrische Steuerung ihren
Geist auf - die Windsteueranlage war bereits hinter Bora-Bora abgebrochen
und im Meer versunken.
So steuerten wir, von einem kurzen Ausschlafstop auf der Ile de Pine in
Neu-Kaledonien abgesehen, die nächsten 18 Tage abwechselnd im Zwei-Stunden-Rhythmus
per Hand.
Glücklicherweise haben auch unangenehme Erlebnisse irgendwann mal
ein Ende - wir kamen nach über 9000 Seemeilen in knapp 9 Monaten
wohlbehalten in Brisbane/ Australien an. "Mi Columpio" wurde
in einer kleinen Marina aus dem Wasser geholt und wir flogen nach Hause,
um in den nächsten 2 Jahren unser Studium zu beenden.

Nach einem sechswöchigen Arbeitslager, in dem wir "Mi Columpio"
reparierten, verschönerten und mit ein paar Sachen ausstatteten,
die in Mittelamerika nicht zu bekommen gewesen waren, landete "Mi
Columpio" als erstes auf einer Sandbank vor Moreton Island. Wir schliefen
gerade in dieser Nacht in den Sanddünen, als das Ankertau sich in
einer 10-Minuten-Bö durchscheuerte und wir "Mico" am nächsten
Morgen fast am Strand fanden. Doch dank der hohen Tide und unseren Armmuskeln
beim Winschen konnten wir sie alleine wieder zum Schwimmen bekommen und
trödelten anschließend als gewiß langsamste ausländische
Yacht die australische Ostküste entlang gen Norden, immer auf der
Hut vor den zu der Zeit dort vorherrschenden Hurricanes. Unterwegs lasen
und lernten wir viel über das, was auf unserer Welt falsch läuft,
was verheimlicht, manipuliert, gelogen wird. Außerdem trafen wir
interessante Individualisten, lebten für einige Wochen bei einer
australischen Familie auf der ansonsten unbewohnten Insel Middle Percy
und halfen diesen Selbstversorgern bei der Ernte- und Gartenarbeit mit.
Da uns ein wochenlang anhaltender 25 Knoten-Wind aus Norden daran hinderte,
die Whitsunday Islands in die Richtung, in die wir eigentlich wollten,
zu verlassen, holten wir "Mi Columpio" schließlich dort,
auf Hamilton Island, erneut aus dem Wasser.

Eigentlich bräuchten wir von dieser Reise hier gar nichts zu schreiben
- steht doch alles im Buch...
Nun gut, ganz kurz:
Von Townsville/ Australien segelten wir los gern Norden, raus aus der
nahenden Hurricane-Saison. Nach 5 teilweise sehr stürmischen Tagen
erreichten wir Bramble Haven in den Lousiaden/ Papua-Neuguinea. Und dann
begann das, was wir uns nie zuvor erträumt hätten: Wir kamen
auf einer Insel an, wurden erwartet, freundlich in Empfang genommen, eingeladen.
Die Papuas entpuppten sich als überaus angenehme, herzliche, offene
und intelligente Menschen. Wir fühlten uns in diesem ursprünglichen,
ja fast noch wilden Land wie zu Hause. Und mußten zwei Monate später,
als unsere Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen war, schweren Herzens die
liebgewonnene Inselwelt wieder verlassen. Nördlich des Äquators
liegt Mikronesien, dort erlebten wir auf unserer "Lieblingsinsel"
Nukuoro ebenfalls unglaubliche Herzlichkeit. Weiter segelten wir über
Chuuk (ganz furchtbar) und die traditionsbewußte Insel Ifalik, wo
die Einheimischen noch wie vor 500 Jahren leben, über Yap nach Cebu
in den Philippinen, wo wir in einer kleinen taifungeschützten Marina
einen sicheren Platz für unser Schiff fanden.

Unser ursprünglicher Plan war gewesen, durch die Philippinen hindurch
über Borneo und Brunei nach Singapur zu segeln, und von dort vielleicht
auf einer nächsten Reise in den Indischen Ozean hinein. Aber zum
einen gefielen uns die Philippinen überhaupt nicht, zum anderen entdeckten
wir nach knapp drei Monaten, daß ich schwanger war.
Kurzerhand beschlossen wir, nochmals in die Gegend zurückzufahren,
wo es uns am Besten gefallen hatte: nach Papua-Neuguinea. Auf dem Weg
dorthin attackierte uns ein philippinisches Schiff mit betrunkenen Fischern,
die unser Boot versenken wollten. Doch dann erreichten wir ein anderes
Paradies: das unbewohnte Korallenatoll Helen Reef in Palau. Schönheit,
Einsamkeit und türkisfarbenes Wasser, so weit das Auge reichte.
Sieben Segeltage später wurden wir auf Wuvulu, Papua-Neuguinea unter
Jubelstürmen der Kinder in Empfang genommen. Traumhafte Tage auf
den Atollen Ninigo, Heina und Hermit folgten, bevor wir mit unserem letzten
Tropfen Diesel unser Ziel, die Stadt Madang am Festland von Neuguinea,
erreichten."Mi Columpio" ließen wir in einer winzigen
Marina zurück, und flogen nach Hause, um im Sommer in Deutschland
unser Kind zur Welt zu bringen.
Tja, mit Baby an Bord ist alles anders. Till Oleg war gerade 5 Monate
alt, als wir mit ihm um die halbe Welt flogen, um jetzt zu dritt an Bord
von "Mi Columpio" zu segeln. Auf allen von uns angelaufenen
Inseln war Oleg das Ereignis! Ob Sialum oder Kiriwina, ob Kitava oder
Egom Atoll, von nun war niemand mehr an uns interessiert, alles drehte
sich nur noch ums Baby. "Boy or girl?" oder "How old?"
hörten wir fast stündlich. Auf Dobu wurden Willy und Derek,
unsere Freunde von der früheren Reise, sofort als Onkel adoptiert.
Beide begleiteten uns bis nach Alotau, der Provinzhauptstadt, und wir
verbrachten 10 wunderschöne Tage mit ihnen an Bord.
Noch einmal mußten wir bei der Überquerung der Coral Sea ums
Wetter zittern und bangen, noch einmal wurde unser Söhnchen seekrank.
Doch wohlbehalten und überglücklich erreichten wir dann nach
5 Tagen Überfahrt am Karfreitag Cairns/ Australien.
Zwei Monate später haben wir "Mi Columpio" mit einem weinenden
und einem lachenden Auge an ein junges australisches Pärchen, das
die gleichen Träume hatte wie wir, verkauft.

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